Rock-Mythen: Michael Hutchence – Suicide Blonde

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Rock-Mythen: Michael Hutchence – Suicide Blonde

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INXS mit Michael Hutchence

Und dann taucht die Frau auf, die ihm zum Schicksal wird. Der englische Guardian beschreibt Paula Yates einmal so: „Furchterregend schlau, außergewöhnlich witzig, intuitiv und originell, war sie eine freie Denkerin, deren Schuhe auch noch zu ihrer Handtasche passten.“ Kennengelernt hat Hutchence das platinblonde It-Girl des Punk schon ein Jahrzehnt zuvor, 1985 hatte sie den Sänger für das englische Fernsehen interviewt. Im Oktober 1994 tut sie es noch einmal, allerdings unter ungewöhnlichen Umständen: In ihrer von Ehemann Bob Geldof produzierten TV-Show „Big Breakfast“ empfängt die Moderatorin prominente Gesprächspartner auf dem Bett. Auch Michael Hutchence darf unter ihre Decke. Und dort funkt es offenbar.

Im Februar 1995 jedenfalls verlässt Yates Geldof und zieht zu Hutchence, der längst in London residiert. Es folgt ein erbitterter Sorgerechtsstreit um die drei Töchter, der die englische Boulevardpresse ebenso beschäftigt wie der Neue an der Seite der Mutter. Als die Ehe mit „Saint Bob“ im Mai 1996 geschieden wird, ist Yates be­­reits von Hutchence schwanger. Am 22. Juli 1996 wird Heavenly Hiraani Tiger Lily Hutchence in London ge­­boren.

Im Herbst 1997 bereiten sich INXS in Sydney auf eine Welttournee vor. Yates will Hutchence mit Tiger Lily und den anderen Töchtern besuchen, der noch immer eifersüchtige Geldof aber verhindert das per Gerichtsbeschluss. In der Nacht vor seinem Tod soll Hutchence deshalb erregte Telefonate nicht nur mit Yates, sondern auch mit Geldof geführt haben. Wie Yates später behaupten wird, hat der INXS-Sänger dabei verzweifelt und verängstigt gewirkt, zudem soll Geldof ihn daran erinnert haben, dass er seit seiner Erhebung in den Adelsstand „über dem Gesetz“ stehe.

Als ein Dienstmädchen des Ritz-Carlton Hotels Michael Hutchence an jenem Morgen des 22. November tot in Zimmer 524 auffindet, scheinen die Todesumstände zunächst klar zu sein: Der Sänger hat sich mit seinem eigenen Schlangenledergürtel, den er am Sicherheitsschloss der Zimmertür befestigt hatte, aufgehängt. Die Schnalle des Gürtels ist unter dem Ge­­wicht gerissen, weshalb Hutchence auf dem Boden kniet, als man ihn entdeckt.

Bald aber schießen wilde Spekulationen ins Kraut, befeuert nicht zu­­letzt von Paula Yates selbst, die von Würgespielen beim Sex berichtet, die der experimentierfreudige INXS-Sänger praktiziert haben soll. Andere vermuten aufgrund der Verletzungen des Toten gar Mord. Der Gerichtsmediziner Derrick W. Hand kann jedoch keine entsprechenden Hinweise finden und gibt als Todesursache „Selbst­­mord/Tod durch Erhängen“ an. Dass Hutchence tatsächlich Sui­zid­absichten hegte, kann allerdings niemand be­­stätigen, der in den letzten Stunden mit ihm in Kontakt gestanden hat.

So bleibt sein Ende bis heute einer der wohl mysteriösesten Todesfälle der Rockgeschichte, nicht zuletzt auch weil sein Vermögen in Höhe von etwa 20 Millionen australischen Dollar seit seinem Tod spurlos verschwunden ist. Paula Yates kam über Michael Hutchences Tod nicht hinweg. In den Jahren danach rutschte sie in eine Spirale aus Alkohol, Drogen und Depressionen. Am 17. September 2000 wurde sie in der heimischen Wohnung tot aufgefunden, ihre gerade erst vierjährige Tochter Tiger Lily hatte vergeblich versucht, sie zu wecken.

Als offizielle Todesursache wurde eine versehentlich herbeigeführte Überdosis Heroin angegeben, zwei Suizidversuche hatte Paula Yates in den Jahren zuvor be­­reits unternommen. Mit erst 25 Jahren starb am 7. April 2014 in ihrem Haus bei London auch Peaches Geldof an einer Heroin-Überdosis, die zweitälteste Tochter von Sir Bob Geldof und Paula Yates.

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